| Harry Wu ist der Exekutivdirektor und Gründer von Laogai
Research Foundation mit Sitz in Washington. Zweck der
Organisation ist die Sammlung und Verbreitungen von
Informationen über das weitverbreitete System der Arbeitslager (Laogai)
und die stete Zunahme des Organhandels in der VR China sowie der
Lobbyarbeit gegen diese menschenrechtswidrigen Zustände.
Harry Wu wurde erstmals als junger Student in Beijing
verhaftet als er sich gegen die sowjetische Invasion Ungarns
ausgesprochen und die KP Chinas kritisiert hatte. Als
"konterrevolutionärer Rechtsabweichler" wurde er 1960 in die
Laogai - Chinas Gulag geschickt. Die darauf folgenden 19 Jahren
durchlitt er in 12 verschiedenen Zwangsarbeitslagern:
Chemiefabriken, Kohlebergbau, Straßenbau sowie Lager mit
Rodungs- und Feldarbeiten zwecks Landgewinn. Er wurde
geschlagen, gefoltert und litt Hunger. Er war Zeuge des Todes
von zahlreichen anderen Gefangenen infolge von Brutalität,
Hunger und Selbstmord.
Nach seiner Freilassung 1979 verließ Harry Wu China und kam
1985 als Gastprofessor für Geologie an die Universität von
Kalifornien in Berkeley in die USA. Später fing er an, über
seine Erfahrungen in den Laogai zu schreiben. Er entschied sich,
seine akademische Laufbahn aufzugeben und wurde
Menschenrechtsaktivist, der sich der Aufdeckung und Publikation
der Wahrheit über die Laogai widmete. Die Laogai sind das
umfangreichste Zwangsarbeitersystem der Welt.
In zahlreichen Ausschüssen des US-Kongresses, im
Nationalparlament Großbritanniens, Deutschlands und Australiens
sowie im Europaparlament und der UNO hat er über das chinesische
Zwangsarbeitssystem ausgesagt.
1992 hat er die Laogai Research Foundation, eine
gemeinnützige Forschungs- und öffentliche Bildungseinrichtung
ins Leben gerufen. Die Arbeiten dieser Stiftung werden als
führende Informationsquelle über die Menschenrechtslage in
Arbeitslagern der VR geschätzt.
Im Sommer 1995 wurde er von den chinesischen Behörden
verhaftet, als er mit gültigem und legalem Dokument in die VR
China einzureisen versuchte. Er wurde von der chinesischen
Regierung für 66 Tage festgehalten, bis er in einem Schauprozess
wegen des "Diebstahls von Staatsgeheimnissen" zu 15 Jahren Haft
verurteilt wurde. Aufgrund der intensiven internationalen
Kampagnen zu seinen Gunsten wurde er aber bald darauf aus China
abgeschoben. Seit seiner Freilassung führt er seine
Dokumentations- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verurteilung von
Laogai und derer Gräueltaten fort.
Er ist Autor von drei Büchern. Laogai: „The Chinese Gulag“,
1991 veröffentlicht, ist das erste Buch, das die systematischen
Missbräuche der Laogai thematisiert. "Bitter Winds" (Nur der
Wind ist frei), 1994 veröffentlicht, ist seine Lebenserinnerung
in den Arbeitslagern. Sein jüngstes Buch, „Troublemaker“, wurde
1996 veröffentlicht. Es berichtet über seine heimliche Reise
nach China, um dort Beweise über Laogai und seine Verhaftung im
Sommer 1995 durch die chinesische Behörden.
1991 wurde er mit dem Freiheitspreis Hungarian Freedom
Fighters' Federation (Föderation der Freiheitskämpfer Ungarns)
ausgezeichnet; 1994 erhielt er den erstmals verliehenen Martin
Ennals Menschenrechtspreis der Schweizer-Martin Ennalsstiftung;
1996 den Freiheitspreis, auch bekannt als Bettlerpreis, von der
Niederländischen Stiftung des Widerstandes im Zweiten Weltkrieg.
1996 erhielt er akademische Ehrentitel der St. Louis Universität
und der American University in Paris |