1977
Ngawang Sangdrol wird in Lhasa geboren. Auf Wunsch ihres Vaters,
Namgyal Tashi, und ihrer Mutter, Jampa Choezom, tritt sie als
junges Mädchen in das Nonnenkloster Garu ein.
1987
Im Alter von zehn Jahren nimmt Sangdrol an einer Demonstration
für die Unabhängigkeit teil und wird für 15 Tage inhaftiert.
1990
Sangdrol ist 13 Jahre alt. Nachdem in Lhasa im Mai das
Kriegsrecht aufgehoben wurde, nimmt Sangdrol zusammen mit
anderen Nonnen im August 1990 an einer friedlichen Demonstration
teil. Sie wird neun Monate ohne Anklage festgehalten, da die
chinesischen Behörden sie für ein Gerichtsverfahren als zu jung
einstufen.
1991
Sangdrol ist 14 Jahre alt. Im Juni wird ihr Vater zusammen mit
ihrem Bruder, Tenzin Sherab, nach einem Zwischenfall im Kloster
Samye, bei dem eine tibetische Fahne gehisst wurde, gefangen
genommen. Tenzin Sherab wird für zwei Jahre inhaftiert und
Namgyal Tashi wird zu acht Jahren im Drapchi-Gefängnis
verurteilt. Kurz nach Namgyal Tashis Verhaftung stirbt seine
Frau Jampa Choezom im Alter von 52 Jahren - Berichten zufolge an
einem Herzleiden. Anschließend wird Sangdrol aus der Haft
entlassen. Die Rückkehr ins Kloster wird ihr jedoch verwehrt.
1992
Sangdrol ist 15 Jahre alt. Am 17. Juni wird Sangdrol verhaftet,
weil sie zusammen mit anderen Nonnen des Klosters Garu und
einigen Mönchen vom Kloster Ganden eine friedliche Demonstration
für die Unabhängigkeit abhält. Trotz ihrer Minderjährigkeit wird
sie zu drei Jahren Haft in Lhasas berüchtigtem Drapchi-Gefängnis
verurteilt.
1993
Im Juni nehmen Ngawang Sangdrol und 13 andere Frauen Lieder und
Gedichte für die Unabhängigkeit auf ein Tonband auf, das aus dem
Gefängnis geschmuggelt wird. Im Oktober wird ihr Strafmaß wegen
diesem Vorfall um sechs Jahre erhöht.
1996
Als Parteimitglieder einen Arbeitsraum des Gefängnisses
besichtigen, weigern sich die Gefangenen, sich zu erheben.
Mehrere Nonnen, einschließlich Sangdrol, werden kurz darauf
unter dem Vorwand nachlässig gefalteter Decken schwer
misshandelt. Sangdrol und zwei weitere Nonnen werden in
Einzelhaft verlegt, wo sie die folgenden sechs Monate
verbringen. Fast 90 Frauen treten in den Hungerstreik, um gegen
die Misshandlungen der Nonnen während der Einzelhaft zu
protestieren.
1997
Während Losar, dem tibetischen Neujahr, führen drei
Zellengenossinnen pro-chinesische Lieder auf. Als zwei Nonnen
sie mit tibetischen Liedern übertönen, werden sie heftig
geschlagen und in Einzelhaft untergebracht. 70 Frauen treten für
fünf Tage in Hungerstreik. Die beiden Nonnen verbüßen zwei Jahre
in Einzelhaft.
1998
Am 1. und 4. Mai nimmt Sangdrol während Zeremonien, bei denen
die chinesische Fahne gehisst wird, an Protesten innerhalb des
Gefängnisses teil. Die Häftlinge werden wegen ihrer Teilnahme
schwer misshandelt. Neun Zellengenossinnen sterben laut
Berichten infolge dieses Zwischenfalls. Im Oktober wird
Sangdrols Strafmaß um weitere sechs Jahre erhöht.
2000
Sangdrol ist 23 Jahre alt. Gefängnisbesuche, die infolge der
Demonstrationen von 1998 verboten waren, werden langsam wieder
zugelassen. Die Zellen in Sangdrols Einheit des
Drapchi-Gefängnisses werden von nun an 24-Stunden video- und
audioüberwacht.
2001
Sangdrol ist 24 Jahre alt. Ngawang Sangdrols Strafe wird um acht
Jahre erhöht. Am 20. August wird Sangdrol das letzte Mal von
ihrem Vater, Namgyal Tashi, besucht. Namgyal Tashi war selbst
von 1991 bis 1999 in Drapchi inhaftiert. Er stirbt einen Monat
nach dem Besuch, am 20. September.
Sangdrols Gesamtstrafe beläuft sich auf 23 Jahre, nachdem ihr
ursprüngliches Strafmass während ihrer Haftzeit dreimal erhöht
wurde.
2002
Ngawang Sangdrol erkrankt schwer. Sie ist zu schwach um zu
gehen. Sie kann kaum sprechen und kaum Nahrung zu sich nehmen.
Auf Grund zahlreiche internationale Interventionen, insbesondere
der Schweiz, USA und Frankreich, wird sie am 17. Oktober 2002
entlassen. Sie darf nicht in ihr Kloster zurückkehren, und steht
in Lhasa unter Hausarrest.
2003
Am 28. März 2003 darf sie aus gesundheitlichen Gründen in
die USA ausreisen.
Am 6. Mai 2003 erreicht Ngawang Sangdrol die Schweiz, um dort
eine medizinische Behandlung zu erhalten.
Am 9. Juni 2003 hat Ngawang Sangdrol eine private Audienz mit
Seiner Heiligkeit, dem XIV. Dalai Lama in Dänemark.

2004
Ngawang Sangdrol fängt ihre Arbeit bei der International
Campaign for Tibet in Washington D.C. als
Menschenrechtsanalystin an. |